Archiv für April 2011

The battle of Provinz

Homophobie als Ausdruck von Männlichkeit, Macht und die damit verbundene Ausbalancierung von Überlegenheit rivalisierender Fankurven und Fangruppen.
Hier ein Exemplar aus dem konstruierten Wettbewerb Südkurve Eintracht Braunschweig (Cattiva Brunsviga) gegenüber Nordkurve VfL Wolfsburg (Weekend Brothers).

Quelle: Jonas Nass@flickr

Veranstaltungen im Mai

In der nächsten Zeit finden zum großen Thema Sport+Fans+Politik mehrere interessante Projekte im Raum WOB/BS statt.
Zum einen eine weitere Auflage „Antifaschistischer Stadtrundgang“ in Braunschweig mit den Ultras vom Verein Eintracht Braunschweig.
In Wolfsburg widmet sich das dortige Fanprojekt vom VfL Wolfsburg in der bekannten Reihe Tatort Stadion 2 dem Thema „Diskriminierung im Fußball“.

Die Veranstaltungen im Einzelnen:

Antifaschistischer Stadtrundgang:
Braunschweig unter’m Hakenkreuz

Start: Freitag, 6. Mai 2011, 18:00 Uhr
Eventort: Braunschweig, Nußberg (Startpunkt)
Veranstalter: Ultras Braunschweig

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Eröffnung der Ausstellung: Tatort Stadion 2
Start: Dienstag, 17. Mai 2011, 19:00 Uhr
Eventort: Wolfsburg, Hallenbad, Schachtweg 31 (Kultur am Schachtweg)
Veranstalter: Fanprojekt Wolfsburg

Das Fanprojekt Wolfsburg zeigt von Dienstag, 17. Mai bis Donnerstag, 2. Juni, im Hallenbad die Ausstellung „Tatort Stadion 2“. Die Wanderausstellung zum Thema „Diskriminierung im Fußball“ wird gemeinsam von einer Arbeitsgruppe aus Jugendlichen der aktiven Fanszene begleitet und durch ein Rahmenprogramm ergänzt, welches sich ebenfalls Antidiskriminierungsproblematiken im Fußball widmet. Die Ausstellung wird am Dienstag, 17. Mai, um 19 Uhr eröffnet und danach ist täglich von 15 bis 19 Uhr geöffnet, zusätzlich können Öffnungszeiten mit Führungen für Schulklassen vereinbart werden. Interessierte können sich unter fanprojekt@stadt.wolfsburg.de oder telefonisch unter 05361-89355-12 bei Tobias Grundwald melden.

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Podiumsdiskussion “Rechtsextremismus im Fußball”
Start: Montag, 23. Mai 2011, 19:00 Uhr
Eventort: Wolfsburg, Hallenbad, Schachtweg 31 (Kultur am Schachtweg)
Veranstalter: Fanprojekt Wolfsburg

Podiumsdiskussion „Rechtsextremismus im Fußball“ im Rahmen der Ausstellung “Tatort Stadion 2″

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Kinoveranstaltung „Männer wie wir“
Start: Donnerstag, 26. Mai 2011, 20:30 Uhr
Veranstalter: Fanprojekt Wolfsburg

Thema Homosexualität im Männerfußball

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Talkrunde „Ich hab nix gegen Schwule – Homophobie im Fußball“
Start: Montag, 30. Mai 2011, 19:00 Uhr
Veranstalter: Fanprojekt Wolfsburg

Thema Homosexualität im Männerfußball

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via buendnisgegenrechts.net . Danke! ★

Front blau-gelber Äpfel

Ein wenig kalter Kaffee aus dem Jahr 2007, aber dennoch zwei lesenswerte Artikel von Christoph Ruf .

29.08.2007
Rechtsextreme im Fußball
Potential in der Kurve

Von Christoph Ruf
Ungeachtet der Abwehrmaßnahmen von Lok Leipzig versucht die NPD weiter, die Fanszene des Fußballs zu unterwandern.

Eigentlich kann einem Steffen Kubald leid tun. Schon wieder muss der Präsident des sächsischen Landesligisten Lok Leipzig Fragen nach der rechten Klientel seines Vereins beantworten. Wo er doch gerade dabei war, das Problem etwas glaubwürdiger als in der Vergangenheit anzugehen. Ein Verbot rassistischer Schmähungen wurde in der Stadionordnung des ehemaligen Bundesligisten verankert. Auch der Fahrer des roten VW-Multivans mit dem Kennzeichen L-OK-88 (der Szenecode für Heil Hitler) darf in ein paar Wochen keine Fanartikel mehr vor dem Stadion verkaufen. Der Drei-Jahres-Vertrag mit dem rechtsextremen Merchandiser läuft dann aus. Dass man ihn je geschlossen hat, gehört zu den katastrophalen Fehlern der Vergangenheit, die den Traditionsverein zum Anlaufpunkt für Rechtsextreme gemacht haben. Offensichtlich sehr zur Freude der NPD.

Erst vergangene Woche posierten zwei Neonazis vor dem Bruno-Plache-Stadion von Lok Leipzig – vor einem 7,5 Tonner mit der Aufschrift „Rudolf Heß – Mord verjährt nicht.“ Kubald schaltete diesmal umgehend die Polizei ein, doch angeblich lag kein Straftatbestand vor. Im Internet wird dokumentiert, wie derselbe Bus weiter durch die Republik tourte – er hielt auch vor dem Berliner Olympiastadion und der Arena auf Schalke zum Fototermin für NS-Nostalgiker. „Wir werden das Problem bei Lok nie lösen können“, fürchtet einer der Lok-Fans, die sich über die Rechten ärgern, „die Krake ist einfach zu groß geworden“. Doch aufgeben will er nicht: „Wir werden NPD und Konsorten nicht den Verein überlassen.“

Einer der beiden Neonazis, die vor dem Heß-Truck posierten, war bei Lok Gründungsmitglied und erhielt im Februar Hausverbot. Bis vor kurzem arbeitete er zudem als Fahrer und Bodyguard für Holger Apfel. Der ist Vorsitzender der sächsischen NPD-Landtagsfraktion, Stellvertretender sächsischer Parteichef und NPD-Chefideologe. Ihm diente er zudem als Emissär in Fußballfragen, zum Beispiel nach den Leipziger Krawallen vom 10. Februar.

Unerwünschte Lanze

Nachdem sich eine dreistellige Zahl von Gewalttätern nach einem Heimspiel von Lok Leipzig eine blutige Schlacht mit der Polizei geliefert hatte, versuchte die NPD den Verein als Opfer einer Kampagne darzustellen. So ließ Apfel über seinen Bodyguard beim Landesligisten anfragen, ob man nicht gemeinsam die Ereignisse vom 10. Februar ausschlachten wolle. Dass Präsident Kubald dankend ablehnte, hinderte Apfel nicht daran, im Landtag eine Lanze für „den Sündenbock“ Lok zu brechen: „Nicht die Fußballvereine gehören auf die Anklagebank, sondern die Blockparteien. Schließlich ist es Ihre Politik des Sozialabbaus, die der Jugend immer weniger Perspektiven eröffnet.“

Dass die NPD den ersten deutschen Meister von 1903, der sich 2003 von VfB in Lokomotive Leipzig zurück benannte, so umgarnt, ist kein Zufall: „Es gibt unter den Anhängern von Lok viele, die der NPD aufgeschlossen gegenüber stehen“, meint Holger Apfel, „wir wären ja töricht, wenn wir die nicht dort abholen würden.“ Auch Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue seien „Vereine mit einem großen Potential, deren Anhänger wir versuchen, an die Partei heranzuführen.“ Anderswo werden erste Erfolge gemeldet. Beim Regionalligisten VfB Lübeck gründete der NPD-Kreisvorsitzende, Jörn Lemke, zusammen mit „20 bis 30 Gleichgesinnten“ gleich einen eigenen NPD-nahen Fanclub, die „Lübsche Jugend“.

Holger Apfel weiß, wie ein Fußballstadion von innen aussieht. Der gebürtige Niedersachse ist ja Dauergast beim Regionalligisten Eintracht Braunschweig – zufälligerweise hat sich dieser Verein kürzlich über die rechtsextreme Agitation „sächsischer Parteifunktionäre“ beschwert. Holger Apfel dementierte und erklärte, er könne „beruflich und privat trennen“.

Doch auch als Landtagsabgeordneter umgibt er sich gerne mit Fußballfans. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Neben Apfels Bodyguard aus der Lok-Fanszene arbeitete nach Informationen süddeutscher Antifa-Aktivisten auch ein vorbestrafter NPD-Kader und ehemaliger Anführer der Waldhof-Mannheim-Hooliganclique „The Firm“, schon als Leibwächter bei Veranstaltungen mit dem sächsischen Parteichef. Und in Leipzig ließ die NPD jüngst eine Parteiveranstaltung gleich von einer ganzen Fangruppierung schützen: Die Lok-Ultragruppierung „Blue Caps“ übernahm geschlossen den Ordnungsdienst.

Plattform für den Wahlkampf

Das Interesse der NPD für den Volkssport Nummer eins resultiert jedoch nicht aus den privaten Vorlieben einzelner Funktionäre. Die Partei will neue Wählergruppen erschließen, um mittelfristig die Meinungsführerschaft zu erlangen. „Wir wollen unsere Kandidaten für die kommunalen Parlamente auch über den Fußball bekannt machen“, erläutert NPD-Pressesprecher Klaus Beier die Strategie. Und Apfel sekundiert, man wolle „die NPD in der Mitte der Gesellschaft etablieren.“

Oft genug scheitern die Unterwanderungsversuche allerdings, zuweilen auch an der ersten Hürde. Im Frühsommer versuchte der nordrhein-westfälische Landesverband der NPD sich bei den klammen Oberligisten KFC Uerdingen und Wattenscheid 09 anzubiedern. Deren Spenden überwiesen die Vereine umgehend zurück.

Quelle: sueddeutsche.de

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30. November 2007
Rechtsextreme:
Wie Nazis den Fußball unterwandern

Die NPD versucht systematisch, sich in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren. Auch Fußballvereine und ihre Fans werden gezielt unterwandert. Aber woran erkenne ich einen Rechtsextremen? Und was tue ich, wenn er am Spielfeldrand pöbelt? Die unterklassigen Vereine fühlen sich von der Politik allein gelassen.
Von Christoph Ruf

Die Bilanz der vergangenen Wochen: der Rechtsextremist Horst Mahler wird wegen wiederholten Zeigens des Hitlergrußes zu sechs Monaten Haft verurteilt, einem rechtslastigen Honorarprofessor aus Leipzig wird die Lehrerlaubnis entzogen. In Mittweida greifen vier rechtsextreme Kameradschaftler eine 6- und eine 17-Jährige an und ritzen der Älteren ein Hakenkreuz in die Hüfte. Ein dem Wahn anheimgefallener Jurist, ein revisionistischer Dozent, vier tumbe Glatzen.

Das Spektrum des deutschen Rechtsextremismus ist vielfältig, in vielen Gebieten Deutschlands prägen seine Anhänger die Alltagskultur. Und da soll ausgerechnet der Fußball eine Oase der Völkerverständigung und der Toleranz sein?

NPD bewirbt ihre „Wortergreifungsstrategie“

Derzeit bewirbt die NPD parteiintern massiv die von ihrem Vorsitzenden Udo Voigt ausgerufene „Wortergreifungsstrategie“. Die Aktivisten sollen in die Freiwilligen Feuerwehren gehen, sich in Elternbeiräte wählen lassen, sich inkognito auf politischen Versammlungen einschleichen, um sich dort jeweils eine Weile unauffällig zu verhalten, ehe es ans Missionieren geht. Auch der Breitensport Fußball soll gezielt unterwandert werden.

Holger Apfel, Fraktionsvorsitzender der sächsischen NPD-Landtagsfraktion, gilt als einer der Vordenker der Partei. Als Fan von Eintracht Braunschweig braucht er sich keine große Mühe zu geben, um in der Sprache der Ultras deren legitime Anliegen aufzugreifen, um sie in das Süppchen seiner Partei einzurühren: „Wahrscheinlich wird es noch so weit kommen, dass auf dem Spielfeldrasen Sponsorenwerbung steht“, klagt er. Um dann auszuführen, dass „diese gängige Kritik der Fans an der Kommerzialisierung“ ja „wunderbar mit unserer Globalisierungskritik zusammen“ gehe. Ihm, sagt Apfel, gehe es jedenfalls nicht darum, wie Fanprojektler („stehen auf der Gehaltsliste der linksliberalen Mafia“) oder die Vereinsführungen seine Partei bewerteten: „Uns geht es darum, die NPD in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren.“ Folgerichtig versuche man auch bei „Vereinen mit einem großen Potenzial“ deren „Anhänger an die Partei heranzuführen.“
NPD gründet Freizeitvereine

Die Anfänge sind gemacht: Beim Regionalligisten VfB Lübeck unterhält die NPD mit der „Lübschen Jugend“ ihren eigenen Fanclub, in Kleinstädten wie Hildburghausen und Rathenow gründete die Partei laut Recherchen des WDR eigene Freizeitvereine. Eine CD mit rechten Fußballgesängen soll bereits konzipiert sein. Doch offenbar fehlt der Partei derzeit das Geld, sie massenhaft unter die Leute zu bringen.

In vielen Stadien würden ihre Verteiler wohl auch nicht lange unbehelligt bleiben: In Stuttgart und in Gelsenkirchen wurden NPD-Aktivisten in den vergangenen Jahren immer wieder eindrücklich daran gehindert, Propaganda zu machen. Anderorts probiert es die Partei erst gar nicht. Wohlwissend, dass sie auf verlorenem Posten stünde. Insofern, sagen Fanaktivisten, sei der Fußball eher ein „Brennglas“ denn ein „Spiegelbild“ der Gesellschaft. Will sagen: Rechtsextremismus ist im Fußball nicht verbreiteter als in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Er wird nur stärker wahr genommen. In der Tat: Kein Handball-, kein Feuerwehrverein wird an den Pranger gestellt, wenn bei seinen Versammlungen ein Mitglied im T-Shirt einer rechtsextremen Bekleidungsfirma erscheint. Im Fußball sei das sehr wohl so.
„Wenn die Presse das mitkriegt?“

Und nicht nur beim DFB, sondern auch beim Gros der Vereine ist die Sensibilität geschärft. Doch die starke mediale (und nicht selten marktschreierische) Begleitung des Themas ist nicht nur segensreich. Aus lauter Angst, an den Pranger gestellt zu werden, getraut sich mancher Vereinsvertreter gar nicht mehr, die Initiative zu ergreifen: „Und wenn die Presse das mitkriegt?“, fragte ein Vertreter aus Brandenburg jüngst auf einem Fankongress in Halle, „wenn die Eltern ihre Kinder abmelden?“ Auch Steffen Kubald, Präsident des fünftklassigen Traditionsvereins Lok Leipzig findet, dass die kleinen Vereine mit ihrer problematischen Klientel allein gelassen würden: „Das Problem wird auf die Vereine abgewälzt“. Ein Verein, der mit Mühe und Not eine Handvoll Ordner bezahlen könne, sei nicht in der Lage, dutzenden Fans zu erklären, warum sie ein Thor-Steinar-Sweatshirt ausziehen sollten.

Thor Steinar? Zahlreiche Erst- und Zweitligisten (Dortmund, Hertha, Jena uva.) haben das Tragen der aus dem rechtsextremen Spektrum stammenden Marke schon in ihrer Stadionordnung verboten. Doch manche rechtsextreme Codes sind so subtil, dass sie nur Insider dechiffrieren können. Dass es sich bei der „88″ um einen Code für „Heil Hitler“ (Die Initialen bestehen aus dem achten Buchstaben des Alphabets) handelt, ist vielen bekannt Aber kennen Sie die „14″? Sie steht für das „14 words“ genannte Treuegelübde US-amerikanischer Rassisten: „We must secure the existence of our people and a future for white children“ – wir müssen das Überleben unseres Volkes und eine Zukunft für weiße Kinder sichern.“

Quelle: stern.de

Unter Hooligans – Beobachtungen am rechten Rand

Dokumentation aus dem Jahr 2004.

Unter Hooligans – Beobachtungen am rechten Rand

Sie sind jung, meist männlich und rechts. Sie sind Fußballfans von Hannover 96 mit besonderem Interesse an der so genannten “Dritten Halbzeit”: den verabredeten Prügeleien nach dem Spiel. Sie lieben Bier, bestimmte Kneipen, rechte Rockmusik und haben sich zu lockeren Netzwerken gewaltbereiter Skinheads und Hooligans zusammengeschlossen. Cathérine Menschner hat die Hannoveraner Gruppe mit einem Kamerateam über mehrere Wochen begleitet. Ihre Reportage gibt einen tiefen Einblick in Mentalität und Verhalten der rechten Jugendszene.