Archiv der Kategorie 'Ultras'

Auswärts in Hamburg

Morgen spielt die Eintracht in Hamburg beim FC St. Pauli.
Ein wirklich ganz kurzer Rückblick in Schrift und Bild:

Im Jahr 2000 bei den Amateuren vom FCSP

via Mail-Kontakt

In der Saison 2004/2005 auf der Gegengerade am Millerntor

via eintracht.com

[H] Dokument der Initiative

Das Dokument der „Initiative zur Aufdeckung rechter Gewalt“ – über das im HAZ-Artikel informiert wird – ist u.a. hier einzusehen:
[aah] Nazis innerhalb der Fanszene von Hannover 96

********************

… ohne Nazis!

HAZ berichtet über Nazis bei 96

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtet auf ihrer Homepage:

Staatsschutz eingeschaltet
Neonazis drängen in 96-Fanblock
Von Tobias Morchner | 25.01.2012 22:09 Uhr

Neonazis versuchen in jüngster Zeit, die Ultraszene von Hannover 96 zu unterwandern. Das behauptet die Initiative zur Aufdeckung rechter Gewalt in einer Mail, die am Dienstagabend beim Verein, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und zahlreichen Medien eingegangen ist.


So präsentiert sich die Hooligan-Gruppe „Royal Riot“ im Internet.
© Privat

Hannover. Es soll personelle Überschneidungen zwischen der rechtsradikalen Gruppierung „Besseres Hannover“ und den sogenannten Ultras geben. Die Neonazis von „Besseres Hannover“ hatten in jüngster Zeit mit Videos auf sich aufmerksam gemacht, in denen Ausländer verhöhnt werden.

Die Behörden nehmen die Hinweise sehr ernst. „Wir prüfen, ob es strafrechtlich relevante Sachverhalte gibt“, sagt Polizeisprecherin Tanja Rißland. Derzeit sind die Beamten mit der Auswertung des 36 Seiten umfassenden Schreibens beschäftigt. Fanforscher Gunter Pilz, der das Schreiben der Initiative ebenfalls erhalten hat, bestätigt die in der Mail skizzierten Entwicklungen: „Organisierte Rechtsextremisten versuchen in der Tat, sich in den Stadien breitzumachen.“ Immer häufiger würden, so der Wissenschaftler weiter, rechte Gruppierungen in den Fanblöcken der Ultras auftauchen und durch ihr Auftreten Angst verbreiten. „Das scheint mir durchaus Methode zu haben“, sagt Pilz. Mit Blick auf Hannover 96 empfiehlt der Forscher dem Verein, künftig die Arbeit der vereinsinternen Gruppen, die sich bereits jetzt gegen rechte Entwicklungen engagieren, weiter zu stärken.

Die Mail der Initiative gegen rechte Gewalt enthält Dossiers über namentlich genannte rechte Ultra-Fans und Hooligans aus Hannover und Umgebung. Zusätzlich sind dem Schreiben zahlreiche Bilder der zumeist jungen Männer beigefügt. Sie sind darauf in eindeutigen Posen zu erkennen, unter anderem beim Zeigen des Hitlergrußes im Stadion. Immer wieder tauchen auf den Fotos auch Patrick H. und Marc-Oliver M. auf, die seit Langem zur Gruppierung „Besseres Hannover“ gezählt werden. Sie verfügen offenbar, auch das geht aus den Bildern hervor, über gute Kontakte zu der Gruppe „Royal Riot Hannover“, einem Zusammenschluss extrem gewaltbereiter Hooligans. Die Polizei vermutet, dass es rund um Hannover 96 etwa 100 bis 150 Hooligans gibt. Vier hannoversche Neonazis sind derzeit in der Datei „Gewalttäter Sport“ eingetragen.

Bei Hannover 96 hat man nach dem Eingang besagter Mail sofort reagiert und den Staatsschutz benachrichtigt. Seit Jahren ist der Verein beim Thema rechte Fußballfans äußerst wachsam. So wurde 2001 beispielsweise der Arbeitskreis „96-Fans gegen rechts“ ins Leben gerufen. Bis heute treffen sich die Mitglieder mindestens alle zwei Monate. „Die Treffen stehen neuen Mitgliedern jederzeit offen“, sagt 96-Sprecher Alex Jacob. Zudem hat der Verein die Stadionordnung geändert und das Tragen von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen offiziell verboten.

Quelle: haz.de

Veranstaltungstipp

Am kommenden Dienstag, 24. Januar 2012, findet im Nexus in Braunschweig eine Infoveranstaltung zum Thema Flüchtlingspolitik in Deutschland statt.

Wenn Schutzsuchende zu Verfolgten werden
Infoveranstaltung mit Nurjana & Nuradil
Beginn: 19:00 Uhr

Es gibt wohl nur wenige Leute die sich vorstellen können, wie es ist, wenn man abgegrenzt von der Mehrheitsgeschellschaft, weit weg vom öffentlichen Leben aufwächst, an einem Ort, wo Menschlichkeit anscheinend keine Rolle mehr spielt. Untergebracht in staatlich organisierten Lagern, in den sich mehrere Leute in winziges Zimmer (5 Personen auf 20qm) teilen müssen, die Hygienequalität katastrophal ist und Lebensmittel nur mit abgezählten Gutscheinen zu erhalten sind.
Auch die beiden Geschwister Nurjana und Nuradil haben diesen „Alltag“ in einem Flüchtlingslager ertragen müssen. Nur durch eine enorme Energie und viel Unterstützung von Organisationen, die sich für Menschenrechte einsetzen, gelang es den beiden aus dem Flüchtlingslager in Meinersen (Landkreis Gifhorn) in private Wohnungen zu ziehen. Doch ihr politisches Engagement verstärkte das Wirken staatlicher Repressionsorganen, die mit Hausdurchsuchungen und des ständiger Androhens der Abschiebung probieren sie einzuschüchtern.

Um zu erfahren, wie die staatlichen Repressionen das Leben der beiden Geschwister beeinflusst und wie sich viele Menschen für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis und ein Ende der Repression einsetzen, laden wir herzlichst zu unserer Infoveranstaltung mit Nurjana & Nuradil ein.

Wir hoffen wir können viele interessierte Leute begrüßen, die die systematische, menschenverachtende Flüchtlingspolitik in Deutschland, genauso wie wir zum Kotzen finden.

Ultras Braunschweig // Arbeitskreis Antirassismus

via ub01.de & dasnexus.de


Nurjana für die Initiative Jugendliche ohne Grenzen (JOG)


Spruchbänder der Ultras beim Frauen-Handballspiel in Liebenburg.
Fotoquelle: ub01.de

Nach dem Aachen-Heimspiel

Resümee der Aachen Ultras:

Rückblick Braunschweig
Aus Sicherheitsgründen verwehrte uns der Verein Eintracht Braunschweig nach Rücksprache mit Polizei und Sicherheitsdienst den Zutritt zum Stehplatzbereich des Gästeblocks. Dieses falsche Zeichen an die Öffentlichkeit konnten wir nur schwer akzeptieren, dennoch fanden wir uns nach einigen Diskussionen im angrenzenden Sitzplatzbereich wieder.
Auftritt geschlossen und emotional, mit einer für die Anzahl der Mitfahrer auch annehmbaren Lautstärke.
Unsere Mannschaft verspielte leider wieder eine Führung und kassierte den bitteren Ausgleich in der Schlussphase. Somit geht es mit lediglich 2 Siegen, aber immerhin einen Nichtabstiegsplatz in die Winterpause.
Wir sehen uns im neuen Jahr in S6!

Always Moving Forward – Aachen Ultras 1999
18.12.2011

via aachen-ultras.de

Im Thema weiterlesen auf Publikative.org:

Das unpolitische Wir der Fanszene
19. Dezember 2011 13:38

Am 11. Dezember kam es während des Heimspiels von Alemannia Aachen gegen Erzgebirge Aue zu einem offenbar politisch motivierten Angriff auf die Aachen Ultras durch andere Alemannia-Fans. Die folgenden Diskussionen und verschiedenen Statements werfen viele Schlaglichter auf den Umgang von Fußballvereinen und -fans mit rechtsextremen Orientierungen in der Fanszene.

Von Nicole Selmer

Zwei Tage nach dem Spiel erschien eine Stellungnahme der Gruppe, die den Angriff als politisch motivierte Aktion schildern, Rufe wie „Verpisst euch, ihr Juden“ als Beleg dafür anführen und zudem generell ein rechtsextremes Problem in der Aachener Fanszene ausmachen, um das sich Verein, Fans, Fanbeauftragte und Fanprojekt kümmern müssten. Die Angreifer stammen nach Aussage der Aachen Ultras vor allem aus der Gruppe der Alemannia Supporters, aber auch der Ultras Karlsbande.

Angriff im Fanblock
Dass Aachens Fußballfans und die rechtsextreme Szene der Region einander nicht gänzlich fremd gegenüberstehen, ist nichts Neues. Rechte Präsenz am Aachener Tivoli war auch einer der Beweggründe für die Einrichtung eines sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekts. (Zur Erläuterung: Fanprojekte werden, anders als Fanbeauftragte, nicht vom Verein, sondern zu gleichen Teilen aus Mitteln des Landes, der Kommune und des je nach Ligazugehörigkeit zuständigen Fußballverbandes, also DFL oder DFB, gefördert.)

Die Bewertung der Auseinandersetzungen beim letzten Heimspiel als politisch motiviert, ist keine exklusive Sicht der Aachen Ultras. Neben länger schwelenden Konflikten wird zudem eine Veranstaltung der Aachen Ultras gemeinsam mit dem Fanprojekt als aktueller Hintergrund ausgemacht: eine Lesung des Autors und Journalisten Ronny Blaschke aus seinem Buch „Angriff von Rechtsaußen. Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“. Mitglieder der Ultras Karlsbande wurden dabei von der Leiterin des Fanprojekts von der Veranstaltung ausgeschlossen, da ihr Auftreten von anderen Besuchern nicht als Interesse am Thema, sondern als Provokation und Bedrohung aufgefasst wurde.

Stellung nehmen, aber wie?
Ein szeneinterner Angriff im Fanblock, bei dem es also nicht um (körperliche) Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans, der Polizei oder Ordnern geht, wird von vielen Fans als eine besondere Grenzüberschreitung wahrgenommen. Umso wichtiger ist in solchen Fällen, welche Position der Verein selbst bezieht. Im Fall von Alemannia Aachen berichtete bereits wenige Stunden nach dem Spiel ein Presseartikel und zitierte den Geschäftsführer Frithjof Kraemer: „Das kann und darf es nicht geben, dass wir Alemannia-Fans vor Alemannia-Fans schützen müssen.“ Der Verein veröffentlichte am selben Tag eine Stellungnahme auf seiner Website, in der die Opfer des Angriffs klar definiert wurden: „Aachen Ultras werden in ihrem Fanblock Opfer einer feigen Attacke“ Der Fokus der Stellungnahme liegt jedoch auf der Sicherheit der Zuschauer („unser höchstes Gut“); eine politische Motivation, wie im Artikel der Aachener Nachrichten geschildert, wird nicht erwähnt. An die Fanszene wird appelliert, sich auf das eigene höchste Gut zu konzentrieren, nämlich die Unterstützung der Mannschaft. Identifizierten Tätern drohe ein Stadionverbot, eine Konfliktlösung sei jedoch nur gemeinsam mit allen Beteiligten möglich.

Nach der Verurteilung des Geschehens und seiner gleichzeitigen Entpolitisierung veröffentlichte der Verein am folgenden Tag eine Stellungnahme der Alemannia Supporters auf seiner Website, „um dem Fanclub die Möglichkeit einer Erklärung einzuräumen und um andere Fanclubs, deren Namen fälschlicherweise mit dem Angriff in Verbindung gebracht wurden, zu entlasten“. Die Alemannia Supporters entschuldigen sich für „die unentschuldbare Reaktion“ einiger Mitglieder, wünschen einem verletzten Ordner gute Besserung, betonen, dass es keinen politischen Hintergrund des Vorfalls gebe, und distanzieren sich von Gewalt, „Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus“. Es folgten die bereits erwähnte Stellungnahme der Aachen Ultras (auf die auf der Vereinswebsite nicht verwiesen wird) sowie ein weiteres Statement des Vereins, in dem die Erklärung der Alemannia Supporters als „nicht ausreichend” gewertet wird (allerdings ohne dies genauer zu erklären) und erneut Stadionverbote angekündigt werden. Das Thema Politik bleibt mit Bezug auf den Angriff weiter ausgespart. Allerdings heißt es: „Mit ihrer Stellungnahme sind die Alemannia Supporters eine Verpflichtung eingegangen, sich gegen Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus zu positionieren. An dieser Verpflichtung wird der Fanclub ab dem heutigen Tage gemessen.“

Dass auch der Verein von einer politischen Motivation ausgeht, wird in einem weiteren Artikel der Aachener Nachrichten deutlich, in dem Fritjof Kraemer von einem „Gesinnungshintergrund“ spricht. Zentral bleibt jedoch die Forderung nach einer gemeinsamen Lösung von Angreifern und Angegriffenen: „Alle Gruppen müssten an der Lösung ihrer Konflikte aktiv mitarbeiten und so zur Überwindung des tiefen Risses beitragen, der die Aachener Fanszene durchzieht.“ Die Moderation dieser Gespräche solle das Fanprojekt übernehmen. Es ist vor allem diese Idee eines Runden Tisches, den die Bremer Ultragruppe Racaille Verte aus ihrer eigenen Erfahrung mit Angriffen von rechts in einem offenen Brief kritisiert (Publikative berichtete): “Wenn es zu einem solchen Riss in einer Fanszene kommt, ist die Zeit gekommen, klar Stellung zu beziehen und nicht die Illusion einer Einheit zu wahren.”

Die Politik des Unpolitischen
Am Aachener Fall lässt sich illustrieren, wie die Diskussion um Politik und Fußball, um Rechtsextremismus im Stadion und den Umgang von Fans und Vereinen mit diesen Themen strukturell geführt wird: So greift auch Alemannia-Geschäftsführer Kraemer zu einem alten fußballrhetorischen Mittel, nämlich der Trennung zwischen echten und falschen Fans, wenn er mit Bezug auf die Angreifer feststellt, dass „sich das Wort Fan in diesem Fall eigentlich verbietet, denn hier wurden elementare Regeln des Fantums verletzt“. Selbstverständlich jedoch können auch Neonazis, Rechtsextreme und Gewalttäter Fußballfans sein, der springende Punkt ist ja eben genau dieser, dass nämlich in der Fanszene Menschen mit rechtsextremen Überzeugungen anzutreffen sind – genauso wie in Kegelklubs, Betriebsräten oder Gemeindeversammlungen. Die Regeln, die bei einem gewalttätigen Angriff inklusive antisemitischer Beschimpfungen verletzt werden, sind keineswegs nur solche „des Fantums“.

Rechtsextreme beim Fußball schlicht mit dem „Das sind aber keine Fans“-Stempel zu versehen, ist in mehrfacher Hinsicht gefährlich: Es verstellt den Blick auf die möglichen Andockpunkte von rechtsextremer Ideologie und Fankuktur (Ehrbegriff, Kultur der Männlichkeit, Rivalitätsfixierung usw.) und es fördert zudem die Solidarität anderer Fans mit den als Nicht-Fans Stigmatisierten, gerade wenn, wie beim Beispiel der Alemannia, ein möglicher politischer Hintergrund ignoriert wird. Die Statements der Alemannia-Geschäftsführung berufen sich auf die Idee eines verbindenden Fangedankens, die Unterstützung der Mannschaft und den Zusammenhalt der Fanszene als oberstem Leitmotiv. Auf Gewalt wird mit Ausschluss, das heißt mit Stadionverboten reagiert; die „Risse“ in der Fanszene, deren politischer Hintergrund öffentlich ausgespart bleibt, sollen jedoch in gleichberechtigten Gesprächen aller geklärt werden. Aus dieser Differenz spricht der (nicht unverständliche, aber dennoch falsche und kurzsichtige) Wunsch des Vereins, die Politik aus dem Fußball fernzuhalten und über die Berufung auf die Gemeinsamkeit „Alemannia Aachen“ eine Befriedung zu erreichen.
Und warum nicht? Schließlich funktioniert genau so auch die Politik des Unpolitischen, die viele Fangruppen pflegen. Etwa auch die Karlsbande Ultras, die ihr Selbstverständnis so erläutern:

„Wir, die Karlsbande Ultras, möchten uns hiermit deutlich von jeglichen politischen und extremistischen Strömungen distanzieren. Innerhalb der Gruppe gibt es ein breites Spektrum diverser Ansichten und Meinungen, der Gruppenkonsens lautet aber, dass jegliche Parteipolitik beim Fußball außen vor bleiben muss. Es wird bei uns nicht geduldet, dass einzelne Mitglieder ihre Weltanschauung durch politische Kleidung, Parolen, oder ähnlichem propagieren.”

Um die unpolitisch-politischen Konflikte in Fanszenen besser zu verstehen, ist es wichtig, ein solches Statement nicht einfach nur als Vorwand abzutun, unangenehmen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Das mag es sein, aber tatsächlich hat ein Postulat wie dieses für viele Fans auch und vor allem eine subjektive Realität. Die überwältigende Bindungskraft, die den Fußball auszeichnet und ihn so attraktiv macht, erlaubt es, auch über größte politische Differenzen für die zeitliche Dauer eines Spieltags und im örtlichen Rahmen der Kurve hinwegzusehen und sich unter dem „Wir“ einer Fanszene miteinander zu arrangieren. Das ist eine der größten Stärken der Fankultur – und zugleich eine ihrer größten Schwächen. „Ihr habt doch keine Ahnung, was bei uns wirklich passiert“, lässt sich so kritischen Stimmen schnell und mit authentisch gefühlter Überzeugung entgegnen, ebenso wie „Das sind vielleicht Rechte, aber auch Alemannen/Herthaner/Dortmunder/Dresdner usw.“

Der „unpolitische“ NPD-Funktionär
Auch wenn es dem Verein vielleicht fernliegt, aber es ist genau diese Solidarität, die die Stellungnahmen von Alemannia Aachen mit ihren Forderungen nach gemeinsamen Lösungen bedienen. Und es ist diese Solidarität, auf die auch Sascha Wagner baut, Funktionär der NPD und der Jungen Nationaldemokraten. Auf seinem Facebook-Profil und per Mail verbreitete er einen Brief an die Geschäftsführung von Alemannia Aachen. Der kurze Text enthält alle Bestandteile der Argumentation des Unpolitischen: keine Parteipolitik im Stadion; die einzige Ideologie, die zählt, ist der Verein; politisiert wird von den Linken und schließlich das Zitat „Fußball bleibt Fußball und Politik bleibt Politik!“.

Dass Fußball und Politik zwei Welten ohne Schnittmenge sein mögen, ist ein unerfüllbarer Wunsch, und zwar nicht nur in Aachen und nicht erst seit dem vergangenen Spieltag. Es ist bestenfalls naive Augenwischerei zu glauben, dass jemand sechs Tage in der Woche der bekannte NPD-Funktionär Wagner, am siebten jedoch nur Sportskamerad Sascha sein kann, dessen Anwesenheit im Stadion keinerlei politisches Signal darstellt. Genau darauf hat die Leiterin des Fanprojekts hingewiesen. Wegen ihrer klaren Aufforderung, gegen Rechtsextremismus und Rassismus Stellung zu beziehen, wird ihr nun linksextreme Agitation unterstellt.

Der Brief, den Sascha Wagner verbreitet, lässt sich durchaus ambivalent deuten: Einerseits scheint es fast ein wenig bemitleidenswert, auf diesem Weg (und mit einer seltsam matthäusartigen Art und Weise, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen) Beachtung einzufordern. Gleichzeitig spricht es Bände, dass Wagner offenbar zu der Einschätzung kommt, mit diesem Brief das Blatt in seinem Sinne wenden zu können. Er stellt – ebenso wie die Angreifer im Fanblock – eine Machtfrage. Die Verantwortlichen der Alemannia müssen sich daher schon gut überlegen, mit wem sie ihren „Dialog“ führen wollen. Von den Opfern des Angriffs zu verlangen, sie sollten sich mit den teilweise nach wie vor gewaltbereiten Tätern an einen Tisch setzen, ist dabei der falsche Weg, genau wie ein “Dialog” mit einem ideologisch gefestigten, jahrelangen NPD-Kader. Ihnen muss der Verein viel mehr entschieden entgegen treten, um mit dem Rest der Fanszene darüber zu sprechen, dass Rassismus und Nazi-Klamotten eben nicht ins Stadion gehören – so viel Politik muss sein.

via Publikative.org

Zum nächsten Spiel gegen Alemannia Aachen

Oder auch: „Das Paralleluniversum am Tivoli.“

Am Sonntag steht die Partie Eintracht Braunschweig – Alemannia Aachen an der Hamburger Straße auf dem Spielplan. Beim vorherigen Heimspiel der Aachener am letzten Wochenende kam es auf der Tribüne im Stadion zu Auseinandersetzungen zwischen der rechtsoffenen Fan-Gruppe „Alemannia Supporters“ – mit tatkräftiger Unterstützung der rechten Gruppe „Karlsbande“ – und den „Aachen Ultras“.

Die „Aachen Ultras“ sprechen sich im Stadion, und darüber hinaus, gegen Diskriminierung und andere Unterdrückungsformen aus und engagieren sich gegen Rassismus im Alltag. Mit dieser offen emanzipatorisch denkenden Positionierung bieten sie leider immer wieder Angriffsflächen für reaktionäre und rechte Fan-Gruppen in Aachen. Aktuell beim letzten Heimspiel auf dem Tivoli. Die Aggressionen gegen die Ultras und die Stellungnahmen auf der Vereins-Homepage von Alemannia, auf der sogar die rechten Angreifer zu Wort kommen dürfen, veranlasste die Ultrà-Gruppe „Racaille Verte“ vom SV Werder Bremen, einen offenen Brief an die Verantwortlichen des Aachener Vereins und die Mitarbeiter des Fanprojekts aufzusetzen, und sich somit solidarisch mit den Aachener Ultras zu zeigen.
Folgend ist dieser feine Brief zitiert:

Offener Brief an Alemannia Aachen und das Fanprojekt Aachen

Anlässlich der Vorfälle, die sich beim Spiel von Alemannia Aachen gegen Wismut Aue zugetragen haben, und als Reaktion auf zwei Veröffentlichungen (1, 2) auf der Homepage des Vereins, haben wir einen Brief geschrieben, den wir hiermit auch öffentlich machen:

Sehr geehrte Verantwortliche bei Alemannia Aachen sowie im Aachener Fanprojekt,

wahrscheinlich kommt dieser Brief etwas unerwartet für Sie. Wir, die Mitglieder der Ultragruppierung „Racaille Verte“, schreiben Ihnen bezüglich des Angriffs von „Alemannia Supporters“ und „Karlsbande“ auf die „Aachen Ultras“, weil wir glauben, dass unsere Bremer Erfahrungen im Umgang mit rechtsgerichteten Fans Ihnen durchaus eine Hilfe sein können.

Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die Schilderungen der „Aachen Ultras“ in irgendeiner Weise falsch oder übertrieben sind. Es ist innerhalb der Ultraszene seit längerem bekannt, dass die „Karlsbande“ nicht nur rechts unterwandert ist, sondern ausdrücklich unter antiprogressivem Vorzeichen gegründet wurde. Die ebenfalls beteiligten „Alemannia Supporters“ können als Tarngruppe für die Aachener Hooligans gesehen werden. Auch diese sind politisch eindeutig rechts einzuordnen.

Es ist uns schleierhaft, wieso Sie den Angreifern auf der offiziellen Vereinsseite eine Plattform gegeben haben, auf der sie ihre Sicht der Dinge quasi unkommentiert darstellen dürfen. Noch viel mehr schockiert uns allerdings Ihre Aufforderung an die „Alemannia Supporters“ und die „Aachen Ultras“, „an der Lösung ihrer Konflikte aktiv zu arbeiten und zur Überwindung des tiefen Risses beizutragen, der die Aachener Fanszene durchzieht“. Wir wollen Ihnen im Detail darlegen, warum wir Ihre Wortwahl und die dahinter stehenden Vorstellungen für völlig abwegig und gefährlich halten.

Dadurch wird eine völlig unangebrachte Äquidistanz zu Opfern und Tätern geschaffen. Es hat hier einen Angriff gegeben, der ganz klar von einem rechtsgerichteten Haufen ausging. Als Verein sind Sie in der Verantwortung, sich hinter diejenigen zu stellen, die sich gegen Diskriminierung und für eine bunte Fankurve einsetzen, und diejenigen zu verurteilen und auszuschließen (nicht nur aus dem Stadion, sondern aus dem gesamten Diskurs), die sich Hass und die gewaltsame Verdrängung andersdenkender Menschen auf die Fahnen geschrieben haben.

Die „Aachen Ultras“ leisten seit einigen Jahren gute Arbeit gegen Diskriminierung. Es ist ein Hohn, nun von dieser Gruppe zu fordern, mit rassistisch, homophob, sexistisch und antisemitisch motivierten Rechtsradikalen zusammenzuarbeiten, um einen Riss in der Fanszene zu kitten. Wenn es zu einem solchen Riss in einer Fanszene kommt, ist die Zeit gekommen, klar Stellung zu beziehen und nicht die Illusion einer Einheit zu wahren.

Eine solche notwendig klare Positionierung mag gerade einem kleineren Verein schwer fallen, doch es lohnt sich. Nachdem unsere Gruppierung vor nunmehr fast fünf Jahren von Neonazis aus der Bremer Hooliganszene angegriffen wurde, erhielten auch wir über die Presse das Angebot des Vereins, sich an einen runden Tisch zu setzen. Wir waren entrüstet ob der Vorstellung, uns mit Nazi-Schlägern zu treffen, die uns erklärtermaßen mit Gewalt loswerden wollten (und bis heute wollen). Nach einiger Zeit sah der Verein seinen verfehlten Ansatz ein und unterstützte unseren Kampf gegen Diskriminierung, den wir trotz aller Drohungen immer weiter intensivierten. Heute kann sich der SV Werder damit rühmen, eine vorbildliche Arbeit gegen Diskriminierung innerhalb und außerhalb des Stadions zu leisten. Durch die kontinuierliche Arbeit der Fans und mit Hilfe der Rückendeckung des Vereins und Fanprojekts hat die Bremer Ostkurve mittlerweile den Ruf, ein offener Ort für alle Menschen zu sein. Das hat nicht nur zur Folge, dass die aktive Fanszene heute größer ist als je zuvor, es sind auch sichtbar mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund anzutreffen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist weitgehend Konsens, rechte Schläger sind ein Randphänomen.

Aber nicht nur der Verein, sondern auch das Fanprojekt ist hier in der Pflicht. Eine deutliche, öffentliche und schnelle Positionierung zur Solidarität und Unterstützung der „Aachen Ultras“ wäre das Mindeste. Des Weiteren sollte diese heikle Situation durch ausgebildete Fachkräfte begleitet werden. Die Opfer jetzt alleine zu lassen, würde einer Akzeptanz für den politisch motivierten Angriff gleichkommen. Das Fanprojekt Bremen hat gezeigt, wie eine solche Unterstützung aussehen kann.

Wir wünschen Ihnen in Aachen eine ähnlich erfreuliche Entwicklung. Die „Aachen Ultras“ haben dafür den richtigen Weg eingeschlagen. Unterstützen Sie Ihre Fans auf diesem Weg und verabschieden Sie sich von rechten und rechtsoffenen Ewiggestrigen, denn sie werden Ihnen nicht fehlen!

Herzliche Grüße aus Bremen, Racaille Verte

Meldung der Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen

Antifaschist vor Amtsgericht Braunschweig freigesprochen

Anklage wegen einfacher Körperverletzung bei Auseinandersetzung während der Demonstration gegen rechte Hooligan-Strukturen am 21. Mai 2011 endet auf Antrag der Staatsanwaltschaft mit Freispruch. Vermeintlich Geschädigter und Zeugen der rechten Eintracht-Fangruppe „Exzess Boys“ verwickeln sich in offensichtliche Widersprüche. Mehrere rechte Personen provozieren vor und in dem Gerichtssaal.

Am Donnerstag, 8. Dezember 2011 fand vor dem Amtsgericht Braunschweig ein Prozess gegen einen Aktivisten der antifaschistischen Gruppe „Ultras Braunschweig“ statt. Der Anklagepunkt lautete: einfache Körperverletzung. Er wurde im Vorfeld von mehreren Zeugen beschuldigt am 21. Mai 2011 im Zuge der Demonstration „Weg mit allen rechten (Hooligan-)Strukturen. Naziaufmarsch am 4. Juni verhindern!“ ein Mitglied der rechten Eintracht-Fangruppe „Exzess Boys“(1) im Außenbereich der Kneipe „Lindi’s“ tätlich angegriffen zu haben. Bereits beim Betreten des Gerichtssaals wurde ein Antifaschist von zwei Personen der rechten Hooligangruppe „Kategorie Braunschweig“ bedroht. Einer von ihnen trug im Gerichtssaal eine Jacke der bekannten Nazimarke „Thor Steinar“.

Während des Prozesses traten drei Mitglieder der Exzess Boys als Zeugen auf, um den Beschuldigten namentlich zu belasten. Nach und nach verwickelten sie sich jedoch in zahlreiche Widersprüche und mussten zugeben, dass sie ihn entgegen vorheriger Aussagen bei der Polizei nicht als Angreifer identifizieren konnten. Zudem gestanden sie ein, dass sie den Antifaschisten und die Gruppe „Ultras Braunschweig“ schon seit geraumer Zeit aufgrund deren politischer Gesinnung massiv bedroht hatten. Dies widerlegt auch Aussagen des Fanprojektleiters Karsten König, der im Nachgang der Demonstration behauptete, dass der Vorfall nicht politischer Natur sei.(2)

„Es ist erschreckend zu sehen, dass ein junger Mensch aufgrund seines antifaschistischen Engagements in den Fokus einer rechten Eintracht-Fangruppe gerät und von jenen mit offensichtlichen Diffamierungen vor Gericht gebracht wird“, äußerte sich eine Prozessbeobachterin zu den heutigen Erkenntnissen.

(1) Foto der rechten Fangruppe „Exzess Boys“ (Fahne im Hintergrund) von ihrer Feier am 26. November 2011 – Tische in Hakenkreuz-Form aufgestellt [siehe Anhang]
(2) Artikel der Braunschweiger Zeitung vom 23. Mai 2011: „Kein Rechts-Trend bei Eintracht-Fans“ [http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2046/artid/14256944]

via Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen